Ethik

Verhütung JA oder NEIN?

Am 25. Juli 1968 verkündet Papst Paul VI. in seiner Enzyklika " Humanae vitae" ein Verbot der Verhütungsmittel. Dieses Verdammungsurteil ist von den gläubigen Katholiken nicht nur anzunehmen, sondern unbedingt kritiklos anzuerkennen. Ihnen ist nicht erlaubt darüber zu debattieren, damit das Amt und die Würde des Papstes geschützt bleibt. Also, alle Macht dem Papst!

Papst Benedikt XVI. erklärte im November 2010 ganz fortschrittlich: in einzelnen Fällen sei es nun erlaubt ein Kondom zu benutzen, um sich vor Aids zu schützen, ansonsten bleibt es bei der Verdammung von Verhütungsmitteln. Dagegen zu verstoßen, bedeutet im katholischen Sinne, schwere Sünde zu begehen.

Die katholische Kirche sieht in der Verhütung einen Eingriff in natürliche " gottgewollte" Abläufe. Für sie ist der Geschlechtsakt zur Fortpflanzung geschaffen und nicht zum reinen Vergnügen. Vergnügen sei hier wider jeder Moral und erniedrige die Frau. Das katholische Menschenbild meint, sexuelles Vergnügen habe nur der Mann, deswegen würde die Frau erniedrigt werden, wenn der Geschlechtsakt nur zur Befriedigung des Mannes durchgeführt werde und nicht zur Empfängnis der Frau. Das Frauen auch sexuelle Bedürfnisse haben, kommt im katholischen Menschenbild eigentlich nicht wirklich vor, denn die Frau ist dafür da neues Leben zu gebären und nicht um sich hier zu vergnügen. Also soll sie vielmehr eine gefühllose Gebärmaschine sein, als ein Mensch mit Gefühlen und sexuellen Bedürfnissen, welches sie ausleben darf.

Der Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, der 2006 vom Papst zum Kardinal ernannt wurde, sagte im November 1988 auf einer moraltheologischen Konferenz: " Wer Verhütungsmittel benutzt, will nicht, daß neues Leben entsteht, weil er ein solches Leben als Übel betrachtet. Das ist dieselbe Einstellung wie die eines Mörders, der es als Übel ansieht, daß sein Opfer existiert. " Kardinal Caffarra setzt also Verhüten mit Mord gleich, anders ist diese Aussage nicht zu verstehen.

Folglich ist ein verhüteter Geschlechtsakt, bei dem es wegen der Verhütung nicht zum Zeugungsakt kommt und damit kein neues Leben gebiert, ein Mord an dem Kind, welches hätte erzeugt werden können, ohne die Verhütung. Also: Verhütung ist Mord! Zumindest ist es allergrößte Sünde. Dies ist zumindest die offizielle These der katholischen Kirche, ihre nach außen getragene Ethik und Moral.

In einer Welt, wo verschiedenste Geschlechtskrankheiten zur Volksseuche geworden sind und jährlich hunderttausende Menschen an Aids sterben, ist es eine sehr zweifelhafte Moral und Ethik, die die katholische Kirche hier vertritt. Aber es steckt ja auch etwas ganz anderes dahinter. Es geht vielmehr um Macht und um die Größe der katholischen Gemeinschaft, nur kann man das ja so nicht äußern, also müssen andere Argumente herhalten. "Es sei Gottes Wille, daß der Geschlechtsakt alleine ein Zeugungsakt sein soll.", so die katholische Kirche. Doch gegen diese These spricht folgendes Argument:

Auch wenn man beim Geschlechtsakt einen neuen Menschen zeugen kann, weil die Natur diese Art der Fortpflanzung gewählt hat, bedeutet das nicht im Umkehrschluß, daß man auch bei jedem Geschlechtsakt neues Menschenleben erzeugen muß!

Wenn dies wirklich geschehen würde und die Menschen nie verhütet hätten, wie viele Milliarden mehr an Menschen hätten wir dann jetzt auf unserer kleinen Erde? Und wer sollte so viele hungrige Mäuler stopfen, damit sie nicht hungern müssen? Die katholische Kirche etwa?

Der Papst macht es sich sehr einfach, wenn er sagt, die Verhütung sei Sünde. Er muß sich ja nicht um die neu geborenen Kinder kümmern, ihm reicht ein " Ave Maria" aus, von seinem Kirchenthron gesprochen. Aus dieser Position läßt sich unbekümmert so etwas äußern, hat man ja doch nur die Last seines Amtes zu tragen.

Geht es darum, den Menschen den Spaß am Sex zu vergällen? Ist das Verhütungsverbot eigentlich sinnlos? Nein sinnlos ist das Argument des Papstes im Sinne der Kirche nicht.

Sinn und Zweck hat das katholische Verhütungsverbot nämlich schon, es sollen möglichst viele katholische Kinder auf die Welt kommen, um den Erhalt der katholischen Gemeinschaft zu festigen. Je mehr Kinder geboren werden, deren Eltern katholischen Glaubens sind, um so mehr Nachwuchs wird auch die katholische Kirche erhalten und ihre Machtstellung als Großreligion festigen sowie die Macht des Papstes.

Verhütung rüttelt an den Grundfesten der katholischen Gemeinschaft, denn je mehr ihre Mitglieder verhüten, um so kleiner wird die Gemeinschaft in Zukunft sein und weiter schwinden. Der unverhütete Geschlechtsakt ist also für den Erhalt der Großmachtstellung der Kirche wichtig. Dies hatte auch schon damals Papst Paul VI. erkannt, als er als erster das Verhütungsverbot ausgesprochen hatte. Die Übervölkerung der Erde, und das damit einhergehende Leid vieler Menschen, spielt da keine Rolle, denn an erste Stelle steht die (römisch- )katholische Kirche, die das Primat des Papstes anerkennt, an zweiter Stelle der offizielle christlich-katholische Glaube (innerhalb der christlichen Glaubenslehre gibt es viele verschiedene Richtungen und Glaubensmeinungen) und danach kommt der Rest der Welt.

Die Übervölkerung der Erde ist eines der dringendsten Probleme, die es derzeit zu bewältigen gibt. Jährlich gibt es etwa 100 Millionen Menschen mehr auf der Erde, was eine Auszehrung der Natur bedeutet und auf einen Kollaps dieser hinzielt, welches hunderte Millionen Menschen töten wird und die Menschheit insgesamt auslöschen kann.

Nicht " Verhütung ist Mord", sondern " das Verhütungsverbot des Papstes ist Mord - und zwar potentieller Massenmord"!

Gegenteilig brauchen wir mehr Verhütung, statt ein Verhütungsverbot. Das Verhütungsverbot schadet der Arterhaltung der Menschheit, deshalb ist es abzulehnen. Und Verhütung ist auch kein Mord, wie es die katholischen Kirchenfürsten glaubhaft machen wollen. Denn nur existierendes Leben kann man morden. Leben was nicht existiert, kann man nicht morden. Verhütung kann daher kein Mord sein. Verhütung ist daher weder unethisch noch moralisch verwerflich. Dies, was die katholische Kirche, aufgrund ihrer Päpste hier veranstaltet, ist aufs höchste unmoralisch und ethisch verwerflich!

Wenn es nur wenige Menschen gäbe auf der Welt und diese alle verhüten würden und es keine Nachkommen gäbe, und somit die Menschheit ausgelöscht würde, müßte es ein Verhütungsverbot geben, weil Verhütung in diesem Fall der Arterhaltung der Menschheit schaden würde. Aber nicht bei mehr als 6 Milliarden Menschen auf unserer kleinen Erde. Die Anwort auf ganz oben gestellte Frage lautet also: "JA!"!!!

Pierre Sens, Dezember 2010

Papst rückt nicht von Kondomverbot ab - 1. Dezember 2015


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