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Weltethos

oder Weltethik?

Das ist eine wichtige Frage.

Gibt es einen Unterschied?

Ethos kommt aus dem altgriechischen und steht für "Gewohnheit, Sitte, Brauch". Der Ethos, als Bereich theologischer Ethik, sieht die sittlichen Prinzipien als in Gottes Willen begründet und setzt somit im Allgemeinen den Glauben an eine göttliche Offenbarung voraus. Theologischer Ethos baut auf religiöse Disziplin, Ordnung und Unterwerfung. Und Demut vor Gott!

Die Ethik kommt ebenfalls aus dem altgriechischen und steht für das "sittliche Verständnis". Es schließt in ihren philosophischen Ausführungen zur Moral "Gewohnheit, Sitte und Brauch" mit ein und versucht in ihrer philosophisch-religösen Disziplin (unter vielen anderen philosophischen Disziplinen) einen bestimmten Ethos zu begründen. Dennoch verhält sich Ethik primär religiös-weltanschaulich neutral. Das ist mit ein Grund, warum Kirchengemeinschaften gegen Ethik im Unterricht sind und lieber konfessionell gebundenen Religionsunterricht haben wollen. Religionsunterricht ist also nicht neutral, Ethikunterricht dagegen schon. Insbesondere Atheisten werden deshalb einen Ethikunterricht dem Religionsunterricht vorziehen, sofern sie die Wahl haben.

Ethik beschreibt, so läßt sich sagen, die Gesamtheit sittlicher Grundsätze. Sie setzt dabei aber nicht auf Religion, ohne freilich die Religion ausschließen zu wollen, sondern überläßt jedem Einzelnen seine eigene (spirituelle) Weltanschauung.

Ethik ist aber mehr als nur die Gesamtheit sittlicher Grundsätze.

"Ethik ist die Moral einer Gemeinschaft (die sie sich selbst aufstellt) als Leitlinie ihres sittlichen Verkehrs untereinander." (Pierre Sens, aus dem Buch: "Charta der Weltethik"). Diese Art von Ethik ist aber nicht abgeschlossen, da Moralvorstellungen sich ändern.

Ethik ist bisher eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich menschlichen Handelns zum Thema hat und versucht dieses Sujet mit philosophischen Mitteln einer maßgebenden Beurteilung zu unterziehen und mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse zur praktischen Umsetzung anzuleiten.

Die heutige Ethik wird allgemein als eine philosophische Disziplin verstanden, deren Aufgabe es ist, Kriterien für gutes und schlechtes Handeln aufzustellen und die Bewertung seiner Beweggründe und Folgen zu analysieren. Die Ethik versucht damit als philosophische Disziplin allein auf das Prinzip der Vernunft zu bauen.

Die Erarbeitung von allgemeingültigen Normen und Werten ist das ursprüngliche Ziel der Ethik, die zudem die innerhalb einer Gesellschaft gelebte Moral mit empirischen Mitteln zu beschreiben und lenken versucht. Sie sucht also nach Antworten auf die Frage, wie in bestimmten Situationen gehandelt werden muß und was man in jedem einzelnen Fall tun soll.

Das Ziel früherer Ethik war denkbar einfach, nämlich das Gute und Richtige zu tun, mit dem Ziel vor allem Glück zu erfahren. Doch nicht alles was dem einen Gut ist, ist für alle anderen richtig. Glück und Unglück liegen da nah beieinander.

Viel wurde geschrieben über Ethik und Moral, von Kant und Hegel, von Schopenhauer bis Habermas. Dabei wollten sich so manche Philosophen in Verbalakrobatik messen lassen, dessen Sprache die Menschen verwirrt hat und dessen Sinn in einem babylonischen Gedankenturm verborgen blieb, statt Ziel und Richtung vorzugeben und auf den Punkt zu kommen: wofür Ethik? Nur um zum persönlichen Glück zu finden?

Es gibt aber, so kann man sagen, einen neuen Aspekt der Ethik, mit einem neuen obersten Grundsatz:

"Ethik hat der Arterhaltung der Menschheit zu dienen."!

(Pierre Sens, Buch: "Charta der Weltethik", 2002)

Hiernach hat sich die Ethik auszurichten und mit ihr das Handeln der Menschen.


Alles was der Arterhaltung der Menschheit dient, ist zu tun!
Alles was der Arterhaltung der Menschheit schadet, ist zu unterlassen!


* Krieg beispielsweise schadet diesem höchsten ethischen Grundsatz und ist zu unterlassen.
* Den Menschen zum Mond zu bringen dagegen, zum Mars und zu anderen Planeten, dient der Arterhaltung der Menschheit, wenn sie dadurch die Möglichkeit erhält, sich auf anderen Planeten niederzulassen, um dort weitere Menschheitskolonien aufbauen und als Menschheit überleben zu können. Dies ist zu fördern, zum Wohle der Arterhaltung der Menschheit.

Dieser neue oberste Grundsatz der Ethik, daß alles Handeln und Wirken der Menschen der Arterhaltung der Menschheit nicht widerstreben soll, ist also eine Richtschnur, an der sich die Menschen halten können, wenn sie ethisch handeln wollen.

Die Menschen können sich nach diesem Grundsatz global eine Weltethik geben, die für alle Staaten, Nationen, Kulturen und Völker allgemeinverbindlich ist. So wie in der Deklaration der "Charta der Weltethik" beispielhaft vorgeschlagen.

Die Arterhaltung der Menschheit als oberstes ethisches Prinzip ist damit eine Ethik, der sich alles unterzuordnen hat, also auch Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und natürlich ebenso Religion.

Dies ist besonders problematisch, da sich alle als übergeordnet ansehen und jeder seine eigene Ethik vertreten sehen will. Dies führt aber genau zu dem Zustand, der der Arterhaltung der Menschheit widerstrebt.

Krieg, Umweltzerstörung, Habgier, Haß, Neid und Ausbeutung, um nur einige zu nennen, sind Auswirkungen deren Ethik! Einer Ethik also, die in Wirklichkeit keine ist. Eine Ethik, die in ihren Grundzügen nicht die Arterhaltung der Menschheit sicherstellt. Solche Ethik kann nicht als allgemeinverbindliche Ethik gelten. Allgemeinverbindlich und universell kann eine Ethik nur sein, die dem Grundsatz der Arterhaltung der Menschheit entspricht.

Und darum braucht die Menschheit eine Charta der Weltethik.

Weitere Hinweise hierzu im Buch:

Weltethos

Doch warum Weltethik und nicht Weltethos?

Weltethos versteht sich als Formulierung eines Grundbestandes an ethischen Normen, die in allen großen Religionen sich wiederfinden lassen. Weltethos versteht sich also als religiös und ihre Ethik als religiöse Ethik. Diese Ethik ist die Grundlage für das Parlament der Weltreligionen. Die "Erklärung zum Weltethos" wurde am 04.09.1993 vom Parlament der Weltreligionen (Parliament of the World's Religions) in Chicago verabschiedet und von führenden Kirchenführern unterschrieben. Zum ersten Mal wurde in der Religionsgeschichte ein minimaler Basiskonsens der verschiedenen, oft feindlich gegenüberstehenden, Religionen bezüglich Werten, Maßstäben und Verfahrensweisen formuliert. Und dieses Parlament soll fortan die Ethik der Menschheit bestimmen, fußend auf Religion. Bedeutet das aber nicht Knechtschaft unter der ethischen Rute großer Religionen?

Weltethik fußt nicht auf Religion, sondern setzt auf den obersten Grundsatz, das alles Handeln der Arterhaltung der Menschheit nicht schaden darf. Nach diesem Grundsatz hat sich alles ein- und unterzuordnen.

Weltethik ist also religionsneutral.

Weltethos


Danach zu handeln, heißt vernünftig zu handeln. Das Gute zu tun und das Schlechte (insbesondere das Böse) zu unterlassen. Je höher wir etwas in die Pyramide einordnen, um so weniger darf hiergegen verstoßen werden. Und in jedem einzelnen Grundsatz der globalen Pyramide, kann wieder eine lokale Pyramide erscheinen, die sich mit den Teilproblemen beschäftigt.

Die Arterhaltung der Menschheit, also insbesondere die Unantastbarkeit der Spezies Mensch, des homo sapiens, oder besser des homo sapiens sapiens, also des Jetztmenschen, ergo dem weisen und einsichtsfähigen Menschen, im Gegensatz zum Homo sapiens neanderthalensis, demgemäß dem "ungebildeten" Neanderthaler, als globales Ziel einer Weltethik, bedeutet nicht, daß alles, was der Arterhaltung des Menschen nicht nutzt, vernichtet werden kann. Eine solche Schlußfolgerung ergibt sich aus dem obersten Grundsatz nicht. Gegenteilig würde eine solche Schlußfolgerung dem obersten Grundsatz der Arterhaltung der Menschheit widersprechen.

Wir Menschen, als homo sapiens sapiens, müssen vernünftig handeln.

"Vernunft ist, das Gute zu tun und das Böse sein zu lassen. Und das Leben sowie die Natur zu sehen als Gabe, Aufgabe und Vorgabe zugleich, so daß unser Handeln zu einer sinnvollen menschlichen Existenz führen kann. Diese Vernunft ist ebenso notwendig, um unser Leben nach ethischen und moralischen Prinzipien ordnen zu können. Ohne Vernunft keine Ordnung und ohne Vernunft keine Moral und Ethik." (Pierre Sens, aus "Charta der Weltethik").

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Auszüge aus dem Buch: "Der Appell des Dalai Lama an die Welt"
Untertitel: "Ethik ist wichtiger als Religion"
© 2015, Benevento Publishing, Red Bull Media House GmbH, ISBN 978-3-7109-0000-6

"Seit Jahrtausenden wird Gewalt im Namen von Religionen eingesetzt und gerechtfertigt. Religionen waren und sind oft intolerant. Um politische oder wirtschaftliche Interessen durchzusetzen, wird Religion oft missbraucht oder instrumentalisiert - auch von religiösen Führern. Deshalb sage ich, dass wir im 21. Jahrhundert eine neue Ethik jenseits aller Religionen brauchen. Ich spreche von einer säkularen Ethik, die auch für über eine Milliarde Atheisten und für zunehmend mehr Agnostiker hilfreich und brauchbar ist. Wesentlicher als Religion ist unsere elementare menschliche Spiritualität. Das ist eine in uns Menschen angelegte Neigung zur Liebe, Güte und Zuneigung - unabhängig davon, welcher Religion wir angehören.

Nach meiner Überzeugung können Menschen zwar ohne Religion auskommen, aber nicht ohne innere Werte, nicht ohne Ethik. .... Ethik, nicht Religion, ist in der menschlichen Natur verankert. Und so können wir auch daran arbeiten, die Schöpfung zu bewahren. "
                                                                                                          Dalai Lama